Ohne Sigrid wird das Bordleben trist. An so vielen Dingen freut man sich zu Zweit mehr. Jetzt kann ich mich mit NDR Info, dem Deutschlandfunk oder Radio Bremen unterhalten. Aber es gibt trotzdem viel zu tun. Schränke werden ausgeräumt und wohl sortiert in Kunststoffboxen wieder eingeräumt. Möbelpolitur fließt reichlich auf die Ahornoberflächen, Bücher werden neu geordnet. Auch das Leck am Überlauf des Dieseltanks scheine ich gefunden zu haben. Hierzu musste ich die komplette Backbord Achterkoje (,die wir immer „Beirut“ nennen,) leer räumen und den Boden ausbauen.
Einen Tag fahre ich mit dem Brompton in ein 11km entferntes Städtchen, um für €15,- meine Flatrate zu erneuern. Die halbe Hinfahrt bin ich dem Tode nahe auf einer vierspurigen, griechischen Straße, die keine Radfahrer kennt. Die zweite Hälfte der Hinfahrt biege ich von der blöden Straße ab. Ich habe bei Komoot einen Nebenweg ausgemacht. Leider führt der über einen fetten Berg und die Straße wird zum Schotterweg. An einigen Stellen muss ich schieben, so steil geht es bergauf. Nach einer Stunde bin ich da.
Für die Rückfahrt recherchiere ich genauer und habe eine quasi Auto freie Fahrt (Dank GuruMaps).
Ach so, und das Internet funktioniert wieder.

Rätselfrage: In welchem Ort liegt die Morgana?

Mittlerweile sind die meisten der Schiffe Dauerlieger, die ihre eigenen Moorings haben. Neben der Morgana gibt es zwei manchmal drei Durchreisende. Es wird leerer im September.

Es kommen auch zwei neue Dauergäste an Bord. Ein leiserer Ventilator in 5 Stufen zu regulieren….

… und eine neue beschichtete Pfanne, die gleich ausprobiert wird.
Zweimal verabrede ich mich mit den Holländern Tineke und Herbert im Sushi Restaurant und wir erzählen uns gegenseitig, was wir so alles gemacht haben am Tag. Herbert lackiert die beiden Holzmasten des wunderschönen Schoners. Dazu sitzt er über Stunden im Mast und wird von Tineke Zentimeter um Zentimeter herauf oder herunter gezogen.

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Auf diesem Foto sieht man den Schoner aber nach Herbert braucht ihr nicht zu suchen. Der hat Pause.
Die allerbeste Reperatur allerdings ist die des Bugstrahlruders. Ein sehr netter Mechaniker der Firma VETUS kommt an Bord und justiert über drei Stunden die ganze Anlage bis sie einwandfrei läuft. Nun können wir nach fünf Jahren das neu eingebaute Bugstrahlruder endlich wieder benutzen.

Hier ein Bild vom Einbau 2019 auf Aegina.

Die Tage werden merklich kürzer und tagsüber zeigen sich kräftige Wolken am Himmel.

Aus dieser Wolke kam übrigens kein Regen.
Männergruppe
Seit dem 10. September ist Tronje mit an Bord und wir bilden jetzt offensichtlich eine Männergruppe. Tronje und ich kennen uns seit den 70er Jahren und wir haben sogar einige Jahre in einer großen WG zusammen gewohnt. Wer sich auskennt in dieser Zeitepoche, weiß auch, dass es nicht nur Frauengruppen gab, sondern dass auch Männer sich in ihrem neuen Rollenverständnis zurechtfinden wollten.

So ergibt es sich dann auch, dass wir viel über alte und auch neue Zeiten zu erzählen haben. Hier ein Foto aus dem Jahre 1977.

Doch dies ist hier ein Segelboot und ich will bei der Sache bleiben. Einen ganzen Tag bleiben Tronje und ich noch in Porto Rafti, auch damit er sich an das Geschaukel gewöhnen kann. Aber am 11.September geht es los. Die kleine Insel Kiersonison, nördlich der etwas bekannteren Insel Megalonnisos, ist unser Ziel. Nach einer richtig guten, schnellen Segelreise kommen wir in einer sehr gut geschützte Bucht für die Nacht an. Gut, dass man in Griechenland sich immer neue Ankerbuchten aussuchen kann. Es gibt unzählige.
Megalonnisos

Morgana nimmt wieder Fahrt auf. Im glatten Wasser eine Freude.

Hier hat es kürzlich etwas geregnet. Man sieht es am frischen Grün der Bäume.

Abends genießen wir die Luftperspektive.

Mein neues Crewmitglied ist richtig glücklich.
