Sigrid geht von Bord

Heute Morgen bringe ich Sigrid mit dem Dingy an den Strand und laufe mit ihr zur Busstation und Zack ist sie weg. Nach neun Wochen Leben zu zweit auf kleiner Fläche schon ein komisches Gefühl. Wir hatten einen der besten Segelurlaube bisher und uns sehr gut verstanden.

Sigrid wird an Land gebracht und fliegt nach Deutschland.

Knapp 200 Seemeilen.

Das Wetter für die Überfahrt von Sizilien nach Sardinien hatte ich viele Tage beobachtet. Vorherrschend gab es Westliche Winde nicht wenig stark oder es gab sehr schwache Winde aus dauernd wechselnden Richtungen.

Aber gerade am Abreisetag von Sigrid und dem Tag danach haben wir hervorragenden Segelwind von schräg achtern der Stärke 3 bis 4.

Also machen wir (Anny und ich) uns kurz entschlossen auf die lange Reise. Da wir von Palermo aus los segeln, haben wir knapp 200 Seemeilen vor uns. Wir rechnen mit zwei Tagen und zwei Nächten, die die Fahrt dauern wird. Folglich haben wir den Kühlschrank richtig vollgepackt mit guten Sachen.  Nur Anny sind in der kurzen Zeit natürlich noch keine Seebeine gewachsen. Aber als Ostfriesin aus Norden ist sie Seeluft gewöhnt und guter Dinge.

Doch seit gestern ist Anny an Bord, mit der ich die letzten 14 Tage bis zum Winterplatz auf Sardinien verbringen werde.

Noch weiß Anny nicht wirklich, was sie erwartet.

Ein letzter Blick zurück auf Sizilien.

Ein allerletzter Blick zurück auf Sizilien.

Doch wir kommen richtig gut voran am ersten Tag.

Zur Nacht machen wir eine Wacheinteilung: zwei Stunden darf sich jeder aussuchen für die Nachtwache. Doch schnell stellen wir fest, dass drei Stunden etwas besser sind. Also wechseln wir uns mit dem Schlafen ab und berichten uns gegenseitig von Tankern, die sehr dicht vorbei fuhren und Fischern, die gar kein AIS Signal hatten, vor denen wir also nur optisch gewarnt werden.

Als die Sonne untergeht, nimmt auch der Wind etwas ab und die Wellen.

Nur der Mond scheint voll und das die ganze Nacht.

Hier sieht man die Sonne im Westen und den Mond im Osten. Du musst an den mittleren Pfeilen ziehen.

Der erste Sonnenaufgang auf See.

Was ich in meiner Koje sehe, wenn ich nachts aus der Luke schaue.

Mit dem Aufgehen der Sonne kehren auch bei uns die Lebensgeister zurück. Der Tag läuft perfekt ab mit wenig aber ausreichend Wind und kaum Wellen. Wir haben uns eingespielt – aufeinander und auch auf das Schiff, welches tapfer seine Bahnen zieht.

Am zweiten Tag ist weniger Wind und wir können unseren Gennacker benutzen. Jetzt ziehen uns 100 Quadratmeter zusätzlich durch die Wellen. Die machen aber aus 7 Knoten Wind immerhin 4,5 Knoten Fahrt. Aber wir haben ja Zeit.

Den ganzen zweiten Tag über zieht uns der Gennacker.

Zwei Ereignisse müssen erwähnt werden: einmal weckt Anny mich, als das Schiff wider Erwarten plötzlich 30 Grad vom Kurs abkommt. Wie ich es ihr gezeigt habe, sollte sie auf dem Plotter nach Schiffen (AIS Signalen) und anderem Ausschau halten und hatte die Kursabweichung bemerkt.

Schnell war die böse Bose Box (bBB) vom kleinen Tisch in der Mitte des Schiffs entfernt. Unter dem Tisch sitzt der Fluxgate Kompass und die bBB lenkt diesen ab. Wussten wir doch !!! Schon zog die Morgana wieder in die Richtung, in die es gehen sollte.

Das zweite  Ereignis war eine Kollision auf dem Plotter Bildschirm mit einem Seeschiff, wegen der ich geweckt wurde. Das Problem löste sich durch Größerziehen auf dem Bildschirm. Schon war der Abstand wieder hergestellt. Diese Dinge macht man, glaube ich, nur einmal falsch und merkt sie sich dann. So etwas kann man nicht vorher erzählen.

Das Frühstück nehmen wir gepflegt unter Deck ein, wie sonst auch am Anker, nur etwas schräger. Es gibt leckeren Ottersberger Biokäse und dazu ein von Inge gebackenes Sauerteigbrot. Ab und zu ein (sinnloser) Blick nach draußen über den Horizont. Keiner ist da.

Dem zweiten Sonnenuntergang sehen wir bereits sehr viel gelassener entgegen. Auch weil in etwa 35 Seemeilen Entfernung Sardinien bereits gut zu sehen ist.

Mit einem Spektakel verabschiedet sich die Sonne.

Abends gibt es einen köstlichen Schwertfisch mit Salat und leckerer Sauce.

Um 5:15 Uhr fällt in der Bucht von Villasimius der Anker in 8m Tiefe in den Sandboden. Es ist durch den Mond hell genug, dass wir die anderen Schiffe sehen können und genug Abstand halten. Wir waren zwei Tage und zwei Nächte unterwegs. Jetzt wird geschlafen.