Insel mit zwei Brücken
Wir nähern uns Chalkis, der Hauptstadt von Euböa. Euböa darf sich noch Insel nennen, obwohl sie mit dem Festland über zwei Brücken miteinander verbunden ist. Das scheint steuerliche Vorteile zu haben.
Euböa ist übrigens die zweitgrößte Insel von Griechenland und heißt bei den Griechen Evia.

Wenn man Euböa isoliert ansieht und ganz leicht dreht…. dann sieht man ein Seepferdchen. Der Bauchnabel ist Chalkis mit der Verbindung zum Festland.

Unter der großen Brücke können wir locker mit stehendem Mast hindurchfahren. Ein imposantes Bauwerk: Von zwei 90 Meter hohen Pfeilern spannen sich die Drahtseile schräg wie Fächer zur etwa 1/2 km langen Fahrbahn. Diese ist aus Beton und nur 45 cm dick. Eine architektonisch und technisch beeindruckende Leistung.
Jedenfalls haben die Kanu Fahrerinnen ihren Spaß.
Tidenstrom
In Chalkis kommt die zweitgrößte Insel von Griechenland Euböa (Evia) dem Festland so nahe, dass unglaubliche Dinge passieren. Ebbe und Flut sind im Mittelmeer eher unbedeutend, da der Tidenhub 25cm beträgt. In der Meerenge von Chalkis aber kommen viele Dinge zusammen. Der Engpass wirkt wie ein Trichter, durch den das Wasser hindurchgepresst wird. Da die Tide einmal von Norden auf die Meerenge zuläuft und einmal von Süden (und das zu verschiedenen Zeiten) gibt es bis zu 12 Tidenwechsel am Tag (ChatGPT), was wir auch beobachten.
Nachtfahrt
Für die Segler und natürlich auch für die Berufsschiffahrt ist die kleine Brücke viel wichtiger, denn sie muss geöffnet werden, damit Schiffe passieren können. Da aber auch über die kleine Brücke enorm viel Verkehr fließt, öffnet die Brücke nur nachts.
Über die eigentliche Brückendurchfahrt habe ich ehrlich gesagt immer etwas geschmunzelt. Mit ein paar Knoten Strömung durch eine Enge durch zu fahren, sind wir an der Nordsee eigentlich gewohnt. Und nachts zu fahren auch.
Doch hier spielt sich doch ein etwas heftigeres Theater ab. Auf Kommando der Port Authorities liften in Stock dunkler Nacht etwa 5-10 Yachten nördlich und südlich der Brücke ihre Anker und drehen Kreise. Parallel dazu werden die Berufsschiffe in Gang gesetzt, die von weiter weg Fahrt aufnehmen auf das Nadelör.
Und so kommt es dann auch, dass wir nach dem Passieren eines größeren Schiffes (from south to north) dort vorsichtig hinterher fahren, denn auch wir wollen from south to north.
Dann am Funk: Sailboat south to north: go out of the channel!. OK wir gehen wieder weiter zur Seite. Da kommt ein riesiges Seeschiff mit ordentlich Fahrt von vorne (north to south) dicht an uns vorbei.
Alles beleuchtet wie ein Weihnachtsbaum – nur die Positionslichter sieht man kaum.
Kurz nach Mitternacht fahren auch wir durch die Brücke, legen aber nicht an, sondern fahren weiter zum Ankerplatz von Neo Artaki. Dort weht allerdings ein kräftiger Nachtwind und es schaukelt derart, dass ich mir die SeaBands umschnalle.

Ab 21:30 stehen wir standby am Funkgerät.Es ist fast dunkel.

Als es dann nach Mitternacht losgeht, entsteht ein ziemliches Gewusel.

Warum kann man in Dunkeln keine Entfernung schätzen?

Aber Sigrids iPhone kann im Dunkeln sehen und auch gute Fotos machen. Wer weiß: Vielleicht segeln wir demnächst mit einer VR Brille hier durch.
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