Taormina Sizilien

Der vorhergesagte optimale Segelwind bleibt leider den ganzen Tag aus. Wir versuchen es dennoch, bleiben aber fast stehen. Das Meer ist bleiern, wie mit einem durchsichtigen Tuch bedeckt oder Cellophan. Mit zum Teil 1,7 Knoten schleichen wir dahin, kochen, machen mehrmals Mittagsschlaf oder hören Podcasts.

Nach über 11 Stunden kommen wir in Taormina an und legen uns fast genau an den Ankerplatz, an dem wir auf den Tag genau vor 7 Jahren gelegen haben. Damals waren wir auf dem Weg nach Griechenland, jetzt sind wir auf dem Weg zurück. Auf den Tag genau!

Das Meer hat viele Gesichter, dies sieht man selten. 

Der Etna wirkt so nah, und ist doch so fern. 

Sizilien bekommt Kontur.

Was wir nicht ganz so witzig finden an diesem paradiesischen Ort: Es gibt zwar einen Bereich an dem wir frei ankern können, aber mit dem Dingy an Land zu fahren ist äußerst kompliziert. In Italien ist es verboten mit einem motorisierten Wasserfahrzeug an einen Strand zu fahren, außer in speziellen Zufahrtsstraßen, die betonnt sind.

Also suchen wir uns in der Regel ein Dock, also eine Mauer, meistens in einem Hafen, die nicht zu hoch ist, damit wir aussteigen können und die irgendwelche Befestigungsmöglichkeiten hat, um unser Dingy zu verlassen. Dann sollte es noch sicher im Wind liegen ohne an scharfen Kanten des Kais zu schubbern. Wenn nicht , bringen wir einen kleinen Anker aus. Das Dingy ist uns wichtig. Es macht uns unabhängig – wie ein Kühlschrank.

Einen solchen Platz, mit Dock, gibt es leider in der riesigen Taormina Bucht nur an einer Stelle. Dafür müssen wir weit fahren. Als wir dort ankommen, bietet uns eine sehr nette Frau an, auf unser Dingy aufzupassen – für €120,-. Dafür aber einen ganzen Tag. Tatsächlich wollen wir lediglich 1 Stunde etwas einkaufen. Wir lehnen ab.

Gleich daneben bekommen wir ein besseres Angebot: für €50,- . Sie würden uns auch Icecubes bringen für die Drinks oder ein Taxi bestellen, um oben ins Dorf zu fahren. Irgendwie schaffen wir es, ohne zu bezahlen in den Supermarkt und fahren, schwer beladen, 40 Minuten später einfach wieder ab.

Hier sieht man den einzigen Anlegebereich im hinteren Teil. Den vorderen Teil haben wir komplett abgelaufen und jeweils gefragt, ob wir anlegen dürfen. 

Wie aber sollen wir zu unserer Abendverabredung hoch ins Dorf? Kurzentschlossen demontieren wir unseren Außenborder und rudern am Abend an den Strand. Das Dingy ziehen wir ein Stück den Strand hoch und befestigen unseren Anker an einem Stein. Dann geht es los zur Straße, wo ein Bus fährt. Für €1,10 fährt er uns 300m hoch in das schöne Städtchen Taormina.

In Taormina

In Taormina haben wir damals bereits unsere Freunde Christine und Gerhard besucht, die ein schickes Hotel dort betreiben. Mit ihnen verbringen wir einen sehr schönen Abend, erst auf der Terrasse des Hotels mit einem Aperitif und mit Blick auf unser Schiff am Anker aus 300 Meter Höhe.

Danach gehen wir – schon zur Dunkelheit – durch den wunderbar gestalteten Hotelgarten und entdecken einen Kaktus „Königin der Nacht, der plötzlich voller Blüten ist. Die Königin der Nacht blüht nur einmal im Jahr (wenn überhaupt) und dann nur eine einzige Nacht. Wir sind ganz verzaubert. Aber noch sind die Blüten nicht vollends auf. Christine und Gerardo wollen nachts noch einmal kommen und Fotos machen.

Anschließend  werden  wir von Christine und Gerardo sehr schön und lecker in einem Innenhof zum Abendessen eingeladen und erzählen uns Geschichten, natürlich auch aus 1000 und einer Nacht. Taormina ist bislang ein absolutes Highlight unserer Reise.

Die Villa Schuler thront quasi über der Bucht von Taormina.

Von der Terasse aus, können wir unten unser Schiff schaukeln sehen.

Erkennst du es? Tipp: Dicht am Ufer.

Es ist nicht ganz einfach, Taormina ohne Touristen zu fotografieren.

Abends entdecken wir im wunderschönen Hotelgarten die Königin der Nacht, wie sie sich zum Blühen anschickt.

Das erste Foto wurde um 20 Uhr, die zweiten Fotos um 24 Uhr aufgenommen. 

In dunkler Nacht kehren wir mit einem Taxi schließlich kurz vor 12 zum Strand zurück. Das Dingy liegt noch da, wird zu Wasser gelassen und wir rudern glücklich zur Morgana zurück.

Zwei Tage später fahren wir erneut mit dem Bus nach Taormina, um uns noch einmal die vielen Geschäfte und das Treiben anzuschauen. Die vielen Touristen fallen wie Heuschrecken über die Geschäfte her. Ein Drittel sind Amerikaner. Viele haben die sehr beliebte Serie „White Lotus“ im Fernsehen gesehen, die auch in Taormina spielt. Daher wollen sie unbedingt an den Ort der Handlung fahren und sich alles genau anschauen. Täglich geht ein Flieger von NewYork nach Catania und zurück. Der Rest kommt offensichtlich von einem Kreuzfahrtschiff. Man sieht es an den Aufklebern an ihren Jacken.

Catania

Fünf Stunden motoren wir mit lautem Getöse in dieser endlosen, heißen, windlosen Wasserwüste. Mehrere Podcasts sollen uns davon ablenken, dass diese Art der Fortbewegung mit einem Segelschiff wirklich daneben ist. Trotzdem kommt uns die Fahrt vor wie 10 Stunden.

In Catania haben wir einen Hafenplatz gebucht, zum ersten Mal einen richtigen Hafen mit Festmachern und einer Gangway zum einfachen Aussteigen. Im Preis von  €90,- pro Tag ist Frischwasser enthalten.

Am Abend machen wir einen Gang durch die  runtergekommene Stadt Catania, grau in allen Schattierungen.

Alles ist verwahrlost und voller Dreck in diesem Viertel. Viel Sperrmüll liegt herum, neben den von der EU vorgeschriebenen vier Mülleimern in Gelb ,Weiß, Blau und Braun, stehen die Kanister mit Altöl und anderem undefinierbaren Zeug. Aber auch wir wissen mit unserem fein säuberlich nach Kategorien getrennten Müll nicht immer, was die richtige Tonne ist. Am eingeworfenen Inhalt erkennt man es nicht.

Die Nacht ist für uns so ungewöhnlich ruhig, dass Sigrid gar nicht recht schlafen kann. Ich träume boshafterweise von der Schule. Ich soll unterrichten, weiß aber nicht wen, wo und was. (Die letzte Unterrichtsstunde hatte ich vor 9 Jahren!)

Kein Fotomotiv, also gleich vergessen.

Syrakus

Wir beschließen die Segeltour nach Syraskus sein zu lassen. Es weht kein Wind, wir müssten wieder motoren. Also setzen wir uns kurzentschlossen morgens in einen Zug von Catania nach Syrakus, der übrigens fast pünktlich und klimatisiert ist, und schon sind wir da.

Im Gegensatz zu Catania ist die Stadt Syrakus viel offener und freundlicher von ihrem ganzen Ambiente her.Sie ist auch mehr auf den Tourismus ausgelegt.

Der Fisch- und Gemüsemarkt interessiert uns wie immer am Meisten. Unzählige kleine und große Händler bieten ihre Waren an. An einem besonders kleinen Stand kaufen wir riesige Lauchzwiebeln, Kirschen, Nektarinen, Tomaten , so viel wir tragen können.

Der Rücksack wird schwer und schwerer, der Hunger immer größer.

Der „Marktschreier“ am nächsten Stand schreit nicht – er singt: „Susanna!“ und tanzt dabei. Hier gehen wir Essen. In dem sehr schmalen Laden, der kaum zwei Kunden aneinander vorbei lässt, belegt ein auch singender Italiener die Paninis  mit Schinken, Mozzarella, Kapern, Mortadella, Saucen und gegrilltem Gemüse; flambiert alles und reicht es uns herüber. Einfach köstlich.

Als wir um 17h zurück nach Catania fahren, haben wir zahlreiche Läden für Kinderbekleidung gesehen, einige handbedruckte in Italien gewebte (garantiert!!) Textilien erstanden und uns im Museum umgeschaut, wie man aus alten Lochstickerei – Tischdecken wunderschöne aber wenig praxistaugliche Frauenkleider herstellen kann.

Nach 1 Stunde im wohl temperierten Zug sind wir zurück in Catania . Nach einem leckeren Schwertfisch mit Salat gehen wir zufrieden im bewegungslosen, aber heißen Yachthafen schlafen – nicht ohne vorher richtig geduscht zu haben ( sonst baden wir ja nur im Meer 🌊).

Syracus präsentiert sich völlig anders als Catania.

Beim Anblick dieser leckeren Paninies werden wir immer das Lied „Susanna“ singen.

Abends ist das Obstfach und der Kühlschrank wieder voll.

Die überlangen Gurken quellen aus dem Gemüsefach.