Sigrid an Bord

Am Mittwoch kommt Sigrid mit dem Taxi an Bord. Sie ist ziemlich geschafft und gesundheitlich etwas angeschlagen. Daher wird der nächste Tag ein Urlaubstag werden und ein Tag, um sich an das Schaukeln zu gewöhnen.

Dann aber ist die Schonzeit auch schon wieder vorbei. Wir haben ja viel vor diesen Sommer, denn wir wollen Griechenland verlassen. Mit nur der Genua geht es bei achterlichem frischem Wind gen Süden um das Kap Saunion herum in eine Ankerbucht. Hier waren wir schon mehrfach.

Über uns thront der Poseidon Tempel, der nachts wunderschön beleuchtet wird.

Am zweiten Tag geht es Sigrid bereits besser. Alle Handgriffe beim Segeln aber auch im „Haushalt“ laufen so selbstverständlich ab, als ob wir nie weg gewesen wären. Zu Zweit lebt es sich besser als allein.

Hier wohnen wir jetzt eine Woche.

Die nächsten beiden Etappen müssen wir mehr motoren als Segeln. Obwohl vier Wetterberichte uns wunderbaren Wind bescheinigen, bleibt dieser einfach weg. Für die Jahreszeit Anfang Juni ist es außerdem viel zu heiß. 34 Grad sind uns und vor allem dem Kühlschrank entschieden zu viel. So gelangen wir nach zwei weiteren Tagen, nur vom eigenem Fahrtwind etwas gekühlt zum Kanal von Korinth.

Vor dem Kanal von Korinth gibt es an der Nordseite eine riesige Raffinierie. Ob hier das Rohöl, welches, wie wir gesehen haben, zwischen dem zweiten und dritten Finger der Peloponnes zwischen „Schattigen Flotten“ und griechischen Flotten umgepumpt wurde, zu Gold gemacht wird?  Wer weiß?

Dieser dicke Bursche, an dem wir 200m entfernt vorbeifahren, liegt aber brav am Anker.

Der Kanal von Korinth

Vor einigen Jahren besuchten wir den historischen Kanal einmal mit dem Auto und konnten uns alles von oben ansehen. Nun also fahren wir für €197 unten durch. Senkrecht ragen die Felswände rechts und links in die Höhe. Da wirkt die Kanalbreite geradezu schmal und außerdem ist es schwer zu steuern und gleichzeitig mit dem Handy vor der Nase nach oben zu schauen.  Außerdem verfolgen uns 7 dicke Männer und ein Schlanker (der Skipper?), was auch nicht einfach ist.

Sigrid meint, dass das Geld für die Passage angemessen sei, wenn man bedenkt, welcher Wartungsaufwand hier dauernd betrieben werden muss. An vielen Stellen sieht man abgebrochene Felsmassen, die mit Stahlnetzen gesichert wurden. Aber auch ein relativ großer Teil des Kanals sieht wie neu gebaut aus. Hier sichern lange Betonpfeiler das Ufer ab. Nach einer guten halben Stunde ist der Spaß aber auch schon wieder vorbei und wir haben den Golf von Korinth (noch heißt er so ;-) erreicht, ein echtes Binnenmeer von 20-30km Breite.

In diesem Gebäude müssen wir uns anmelden und bezahlen. 

Im Büro der Kanal Control Behörde hängen alte Fotos vom Bau des Kanals.

Andikyra

Den Zwischenstopp in Andikyra, einem sehr griechischen Ort an der Nordseite weit in eine große Bucht hinein , hätten wir eigentlich nicht machen müssen. Drei Unterwasser Pipelines gehen weit (81,5km) vom Land ins Wasser hinein. An Land steht eine Aluminium Fabrik. Am Pipeline Ende kommt  etwas heraus, was tausende Quallen und Dreck aufschwimmen lässt. Direkt am Ort ist das Wasser zwar wieder klarer, aber es ist 28 Grad warm. Ich hole mein Baby Badethermometer, weil ich der Temperaturanzeige der Schiffsinstrumente nicht traue, aber es stimmt.

In Andikyra erleben wir das wärmste Bad unseres Lebens. Etwas über 28 Grad. Nicht schön!

Auf dem Weg nach Nafpaktos kommt uns ein Oligarch entgegen. Da er über 100m Länge hat, google ich ihn. Es ist die Yacht Launchpad, die Marc Zuckerberg dem russischen (sanktionierten) Oligarchen für schlappe 300 Millionen abluxte.

Die Ritterburg von Nafpaktos

Nafpaktos ist ein malerischer historischer Ort. Seit der Antike stritten sich die Völker, wer hier das Sagen haben sollte. In der letzten berühmten Schlacht im Jahr 1571 schlugen die Venezianer die Türken endgültig zurück und stoppte deren Vormarsch gegen Westeuropa. (Aus dem Seehandbuch)

Wir sind ganz überwältigt, als wir nach über 8 Stunden Rauschefahrt mit zum Teil über 7 Beauford achterlichem Wind in der Bucht von Nafpaktos ankommen.

Der Blick von See hoch zur Burg mit ihren zackigen Zinnen, die bis zum Meer herunter reichen und so die ganze Stadt umhüllen, ist einfach atemberaubend schön und erinnert mich an diverse Burgbauten mit unserer Simone.

Wir ankern außerhalb des sehr kleinen Hafens, in dem wir aber durchaus Platz gefunden hätten.

Am nächsten Tag stehen wir früh auf, um bei noch erträglichen Temperaturen den Aufstieg zur Burg zu machen. 200 Meter geht es bergan auf historischen, holprigen Treppen. Immer wieder müssen wir Pausen machen, weil es doch schon wieder über 30 Grad ist. Doch wir werden belohnt vom Anblick der gut erhaltenen bzw. restaurierten Anlage. Das schönste aber ist der Blick auf die Stadt von oben mit ihrem kleinen Hafen und den wenigen Schiffen, die davor ankern.

Der Blick zur anderen Seite katapultiert uns auf der Stelle aus dem Mittelalter heraus in die Neuzeit.

Die Ritterburg von unten.

Der Blick von oben auf unser Schiff.