Unter Segel

Gefühlt ist die zweite Woche unter Segel wie zwei Tage. Während wir auf der Werft einen 11 Stunden Tag stramm durchgearbeitet haben, ist jetzt hier die Luft vollends raus. Die Routine des Einkaufens mit dem Beiboot ist wieder da. Wie steigt man ein ohne reinzufallen, Anlegen mit dem Beiboot und dem Heckanker. (Ganz wichtig, dass es sich nicht schubbert). Nur die Fischfrau in Eretria suchen wir nicht auf, weil es Black Angus Fleisch vom My Market gibt.

Alles muss wieder geübt werden.

Richtig gut gefällt uns das von der Werft polierte Überwasserschiff. Es glänzt wie neu.

Hier wohnen wir jetzt eine Woche.

Nicht in Eretria, sondern in der Buffalo Bay nehme ich mein erstes Bad der Saison (knapp 20 Grad).

Andreas und ich unternehmen schöne Spaziergänge, aber von geringem Umfang. Dies ist kein Wanderer Revier.

Na? Gehe ich jetzt rein?

In der Taverne von Buffalo Bay werden wir aber nett bedient und wie immer von Katzen umschwärmt. Das Essen ist gewöhnungsbedürftig.

Alle Sardinien schafft ihr sowieso nicht. (sagt die Katze)

6-7

Die Tour vom Buffalo Bay bis Porto Rafti segeln wir bei dem guten Wind durch, denn es kommt ordentlich Wind und angeblich auch Regen auf und wir wollen nicht nass werden als Ostfriesen. Dann lieber 6-7 Beaufort von achtern und dann ist gut.

Die 5 Stunden Segeltour wird eine spannende Sache, weil der Wind wie angesagt kontinuierlich zunimmt und die Morgana entsprechend los legt. Irgendwann sind wir froh, dass wir nur die Genua gesetzt haben und nichts mit gerefftem Groß und Schmetterling (ein Segel Steuerbord – das andere Backbord) versucht haben, denn wir hätten diverse Patenthalsen gemacht (ungewollte Halse mit großem Rumps).

Andreas bleibt noch etwas skeptisch.

Schnelle Segelfahrt mit Wind von achtern.

Als wir bei der Einfahrt in die Bucht das hohe Kap umrunden und Andreas sich endlich in Sicherheit glaubt, bekommt er einmal das zu spüren, was ich ihm zuvor erklärt habe, nämlich eine Fallböe. (Der Wind wird VOR einem Berg in der Höhe zusammengepresst, beschleunigt sich und fällt HINTER dem Berg hinab.) Trotz dreifach gereffter Genua liegen wir fast schräg auf dem Wasser.

Das Ankermanöver bei Beauford 7 klappt ganz gut. Das Problem bei sehr starkem Wind ist, dass das Schiff zum Zeitpunkt des Ankerfallens keine Fahrt mehr machen sollte, dann aber natürlich vom Wind erfasst wird, quer dreht und sehr schnell abtreibt. Währenddessen rauscht die Kette in die Tiefe. Ab 25 Meter lässt man das Schiff langsam am Anker ziehen und prüft, ob sich das Schiff in den Wind dreht. Dann weiß man, dass sich die Flunken eingegraben haben und der Anker hält.

Dieses kleine Kap macht mächtig Wind.

Abends sieht alles wieder friedlich aus. Nur eine böse Welle schaukelt uns zwei Tage durch.

Porto Rafti ist sicherlich ein guter Ankerplatz, aber als Ort eine Katastrophe. Das Leben spielt sich am Randstreifen einer viel befahrenen Landstraße ab. Mal hat man ein paar Zentimeter daneben, mal muss man beherzt auf der Straße laufen. Der schwere Betonlaster von hinten hupt.

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich noch unversehrt.

Das Gute an Porto Rafti ist aber dessen Nähe zum Flugplatz Athen. Hier steigt Andreas nach 14 Tagen in ein Taxi und fliegt ab und Sigrid kommt am nächsten Tag mit dem Taxi an. Aus dem Männerschiff wird jetzt ein Päärchenschiff.

Unsere Verpflegung war immer sehr gut. 

Sigrid soll es richtig gemütlich haben. Da kommt die Nelke gerade recht, die ich ergattert habe.