
Abends finden wir uns in drei Meter Höhe in einem Schiffswald wieder. Das Schiff müssen wir über eine hohe Leiter betreten. Ein bischen wie in einem Baumhaus.
Leben auf der Werft
Nach 9 Monaten kehren wir, das sind in diesem Fall mein Bruder Andreas und ich, zum Schiff zurück. es ist immer eine große Hoffnung, ob sich alles noch in Ordnung befindet, so wie man abgefahren ist.
Doch dieses Mal bleibt die Überraschung aus. Keine Tiere haben es sich bei uns gemütlich gemacht, keine Katzen wurden geboren, (was wir einmal gerade noch verhindert haben) und keine Leckagen tropften ins Schiff. Selbst das Salz im Salzstreuer ist rieselfähig, nichts ist verschimmelt.
Im Herbst, wenn wir das Schiff verlassen wird es, wie der Ostfriese sagt, schier gemacht, was im Klartext heißt, alles kommt von Deck.
Also haben wir stattdessen unter Deck das reinste Chaos. Segelsäcke, Beiboot, Leinen, Kartons, alles steht im Wege. Im Bad steht der Außenborder. Die Klappen im Fußboden sind auf. Der Strom ist abgeklemmt, das Wasser abgelassen. Alles das muss nun wieder zurück gebaut werden, bevor wir schlafen können.

Morgens sehen wir genau, wo wir uns befinden.

Noch sieht es nicht besonders gemütlich aus.
Es gibt viel zu tun – räumen wir es erst mal woanders hin
In unserer Abwesenheit haben fleißige Handwerker hinter dem Schott der Achterkoje einen durchgerosteten Ausgleichsbehälter ausgebaut und durch einen Neuen ersetzt. Schon allein deshalb mussten wir unsere Rumpelkammer (böse Leute nennen sie Beirut) vollständig ausräumen. Das daraus folgende Chaos im Wohnraum ist nichts für schwache Nerven und erst recht nichts für meinen Bruder.
Unsere seit 9 Monaten abgeklemmten Batterien haben etwas mehr als 12,5 Volt, was einem Ladezustand über 80% entspricht. Schnell sind sie wieder angeschlossen.
Der Kühlschrank brummt zwar, kühlt aber kein bischen. Vielleicht ist das die diesjährige Überraschung. Doch Sia, die Werft Chefin, holt gleich am nächsten Tag einen Kühlschrankspezialisten herbei, der mit einer Flasche Freon das Kältemittel wieder auffüllt, welches wohl entwichen war.

So leer war die Rumpelkammer wohl noch nie.

Auch danach sieht es nicht besonders gemütlich aus.
Arbeiten am Mast
Unser größtes Problem aber ist die Montage einer neuen Windmessanlage am Masttop. Ehrlich gesagt habe ich etwas Angst auf dem 15,50m langen Mast. Regelmäßig bin ich mit zahlreichen blauen Flecken und verkrampften Muskeln wieder herunter gekommen. Aber auch da hilft Sia schneller als gedacht. Sie schickt Luca, einen jungen Argentinier zu uns, der sich offensichtlich vor nichts fürchtet. Satte 5 Stunden hängt er oben, bohrt, schraubt, lässt Taschen mit Material hinab und zieht Werkzeug wieder hoch. Andreas steckt ihm eine Wasserflasche mit hinein, dass er bei 30 Grad da oben nicht verdurstet.
Ich will da oben eigentlich nicht mehr hoch.
Antifouling Anstrich
Was jetzt noch fehlt ist der Unterwasser Anstrich. Eine Arbeit die eigentlich Spaß macht, weil man sofort den Erfolg sieht. Es ist ein wenig so wie zu Hause. Dicke Rolle, lange Stange als Verlängerung und die Ränder zuerst. Durch die Atemmaske werden die Lösungsmittel fern gehalten.
Der stärkste Jeep der Welt
Unsere 9 Tonnen Gewicht müssen nun bald ins Wasser. Dazu muss der rote Trailer unter das Schiff und die Stützen müssen weg. Ein handwerkliches Kunstwerk, finde ich, denn jedes Schiff ist etwas anders aufgepallt. (heißt abgestützt). Dann kommt der stärkste Jeep der Welt auch schon und schiebt den mächtigen Trailer unter das Schiff. Lautes griechisches Geschrei und Hammerschläge, die die Pfosten wegschlagen weckt uns am Morgen. Wir sollten als viertes und letztes Schiff dran kommen und nun geht es bereits um 7 Uhr los. Ehe wir uns versehen wird die Leiter weg genommen und wir fahren bereits zum Wasser.
Um 8 Uhr schwimmt Morgana bereits im Wasser.

Hier soll der Trailer drunter?

Jetzt kommt der stärkste Jeep der Welt.

Schon sind die Stützen weg und der Trailer steht unter dem Schiff.

Schon schwimmen wir.








