Unter Segeln

Genau eine Woche haben wir benötigt, um die Morgana wieder seeklar zu machen. Zum Schluss wurde noch der Tankwagen bestellt mit dem guten Trinkwasser im Nirotank. Denn das leicht salzige Stegwasser in Leros Marina kann selbst unsere super Filteranlage nicht auf Teewasser Qualität bringen.

Dann aber am 29.7.2020 – so spät wie noch nie in einem Jahr – segeln wir los.
Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern bzw. die griechische Schwalbe vom Stromkabel. Nun aber Marina ade!
Das heißt von segeln ist erst einmal keine Rede, denn wir müssen erst an den Anker und ich tauche endlich das Unterwasserschiff ab. Eine Stunde kratze ich an der Schraube rum, bis sie wieder glatt ist. Der Rest des Unterwasserschiffs ist aber nicht mit harten Muscheln bewachsen, sondern mit einem Biofilm aus Algen, den man gut schrubben kann. Das wird aber noch Tage dauern.

Der erste Schlag geht erst einmal ein paar Meilen westlich vor Leros raus auf die offene See. Wir müssen gegen den Meltemi ankreuzen, denn wir wollen weiter nach Norden nach Lipsi, Patmos und Arki. Hoch am Wind macht unsere Morgana nur enttäuschend Fahrt mit der Bremse unter Wasser. Wir kommen also nur bis zur Nordspitze von Leros und laufen die Insel also erneut an.

Leros erlangte in der Vergangenheit leider eine traurige Berühmtheit als „Insel der Verrückten“. Mitte der 1950iger Jahre schaffte man Schiffsladungen voll mit psychisch Kranken auf diese Insel. Man deportierte sie mit einem Schild um den Hals mit ihrem Namen einfach nach Leros. Auf 1000 Kranke kamen nur zwei Psycholog_innen und ungelernte Hilfskräfte aus Leros.
Das Schild war schnell verloren und der Name manchmal auch. Erst in den 80 iger Jahren wurden diese Misstände bekannt .

Der Ankerplatz im äußersten Norden der Insel ist irgendwie gespenstisch. Nur Fischer, die an Reusen arbeiten und den Fischzuchtanlagen. Einige gestrauchelte Segler hinterlassen dem griechischen Staat und der Landschaft ihre ertrunkenen Boote – nur die Masten gucken noch raus…..

Da halten wir Morgana schon besser in Ordnung. Das Spi-Fall bekommt einen neuen Augspleiß.

Am nächsten Tag laufen wir die 10 Meilen im Norden liegende Insel Lipsi an. 2,5 Stunden kreuzen gegen 6 Windstärken. Hin und wieder müssen wir nach vorn, weil ein Tau klemmt oder doch nicht richtig geschoren wurde. Dann gibt es von den schlagenden Schoten oft richtig Prügel. Diverse blaue Flecken an den Armen und eine Schürfwunde hinter dem Ohr bleiben als Erinnerung.
Wir werden aber mit einer Traumbucht belohnt mit klarem türkisfarbenen Wasser. Hier bleiben wir.